Apis mellifera lamarckii

Bienenhaltung hat in Ägypten eine Jahrtausende alte Tradition und beeindruckende Kultur. Die Bienen wurden in sogenannten Bienenmauern gehalten, Röhrenbeuten aus Nilschlamm und Stroh. Manchmal bestanden diese Bienenwände aus bis zu tausend Völkern. Man imkerte mit einer nur im Niltal heimischen Biene, Apis mellifera lamarckii.

Diese Biene ist sehr klein, wie bei uns eine Stubenfliege. Eine Königin ist etwa so groß wie eine europäische Arbeitsbiene. Auffallend sind die roten Farbgebungen. Die Völker von Apis mellifera lamarckii, sind recht klein aber sehr schwarmlustig. Beim Schwarmprozess entstehen viele Jungköniginnen. Gering sind mit drei bis vier Kilogramm je Volk aber auch die Honigerträge.

Vor mehr als 30 Jahren waren auch in Ägypten starke Völker und gute Honigernten noch üblich. Seither hat sich aber die Kulturlandschaft stark in Richtung Intensivierung, einschließlich des massiven Einsatzes von Herpiziden und Insektiziden und des verschwindens  wichtiger Trachtpflanzen ( Alexandrinerklee ) verändert. Seit vielen Jahren werden Königinnen und Völker aus Europa importiert. Diese haben mittlerweile die heimischen Bienen völlig verdrängt. In den ersten Jahren ging das noch gut, aber die Nachkommen der Bienenimporte offenbarten schnell eklatante Schwächungen. Die ägyptische Imker vermehrten ohne Selektion, das Niveau der Bienenzucht sank. 

Heute besetzen die meisten Völker nicht mehr als fünf bis sechs Wabengassen in den gebräuchlichen Langstrothbeuten. Weil Honig in Ägypten sehr teuer ist, stand die intensivste Nutzung und Ausbeutung der Bienen ohne Rücksicht auf ihre natürlichen Bedürfnisse im Vordergrund. Die Imker ernteten z.B. den ganzen Sommer über Honig. Sobald Honigvorräte auf den Waben zu finden sind, wird geschleudert. Dazu werden auch die Brutwaben herangezogen. Danach wird mit Zucker gefüttert, und so ernteten die Imker Honig schlechter Qualtität.  Die Bienen befinden sich in permaneten Stress, da sie keine Vorräte haben. Die Brutnester sind zumeist klein und sehr löchrig. Es gibt kaum Wabenbauerneuerung. Die Waben sind sehr alt und dunkel. Werden einmal Mittelwände eingesetzt, so bestehen diese  aus Wachs und Paraffin. Für ägyptische Imker ist es zudem üblich, die Bienenvölker auf  eigenem Grund und Boden aufzustellen, am besten in der Nähe des Wohnhauses. So können 400 bis 600 Völker zustammenstehen. Natürlich herrscht angesichts dieser Massierung ein enormer Infektionsdruck. Die Räubereigefahr und Nahrungskonkurrenz sind groß. So ist es nicht verwunderlich, dass auf derartig großen Ständen nur kleine Völker gedeihen können.

Obwohl Apis mellifera lamarckii bei den Imkern einen sehr schlechten Ruf genießt und in den letzten 20 Jahren weitgehend verdrängt wurde, erscheint es sinnvoll, wieder mit dieser Biene zu arbeiten. Allerdings ist sie akut vom Aussterben bedroht. Während 1995 noch ca. 96.000  Völker dieser Rasse gehalten wurden, ist ihre Zahl 2005 auf 15.500 Völker gesunken.

 

Völker von Apis mellifera lamarckii sind nur noch im Raum Asiut in Mittelägypten zu finden.Da auch bei dieser Biene seit langem keine Auslese und züchterische Bearbeitung mehr stattgefunden hat, sind die noch vorhandenen Bestände zum großen Teil in erbärmlichen Zustand. Doch es gibt auch schöne, vitale Völker. Die Imkerei Friedmann hat 2010, 200 Völker von Apis mellifera lamarckii gekauft und davon stark vermehrt.

Aller Anfang ist schwer. Erfahrungen und Lernprozesse im Aufbau einer ökologischen Imkerei in Ägypten.

Text und Bilder: Günter Friedmann / Demeter-Imkerei Friedmann